Fakten zur Monoverbrennungsanlage für Klärschlamm

Leserbrief von Bernd Vogel und Peter Euler vom 12. April 2019

SPD-Stadträte und Werkausschuss-Mitglieder Bernd Vogel und Peter Euler zur geplanten Monoverbrennungsanlage für Klärschlamm:

Demokratie ist anstrengend. Immer muss um Mehrheiten gerungen werden. Das ist auch gut so. Oft fehlt einem aber die nötige Information bei großen und komplexen Themen. Oder es ist zu zeitaufwändig, sich das notwendige Wissen anzueignen. Aber Sie als Bürgerinnen oder Bürger sollen nun am 26. Mai beim Bürgerentscheid darüber abstimmen, ob die Stadt die planungsrechtliche Erlaubnis zur Errichtung eben einer solchen Monoverbrennungsanlage für maximal 120.000 Tonnen Klärschlamm bekommen soll oder nicht.

Da ist Information gefragt. Wir Stadträte Bernd Vogel und Peter Euler, die wir gleichzeitig Mitglieder des Werkausschusses bei der SER, der Straubinger Entwässerung und Reinigung sind, haben von Beginn an alle Planungen und Entwicklungen zur Monoverbrennungsanlage verfolgt und begleitet. Wir sind, wie man so schön sagt, „drin im Thema“. Bei Gesprächen mit Bürgerinnen und Bür-gern, also mit Ihnen, ist uns allerdings aufgefallen, dass große Unsicherheit herrscht oder oft sogar falsche Informationen in den Köpfen rumgeistern. Deshalb wollen wir Sie heute bei der Entscheidungsfindung aktiv unterstützen und Fragen für einen größeren Kreis, nämlich für Sie als Leser, beantworten, die uns in Einzelgesprächen immer wieder gestellt wurden.

  • Was ist eigentlich Klärschlamm?

    Der Klärschlamm ist das Endprodukt der Abwasserreinigung. Er bleibt übrig, wenn das Wasser gereinigt ist. Für Straubing sind das etwa 10.000 Tonnen jährlich. Im Klärschlamm finden sich unter anderem unsere Fäkalien, zunehmend aber auch Mikroplastik, Schwermetalle, aber auch kostbarer Phosphor für die Düngung und Vieles mehr.
    Es gibt also Stoffe, die uns schaden und nicht einfach auf Felder ausgebracht werden können, weil sie von dort ins Grundwasser und in unseren Nahrungskreislauf gelangen können. Und es gibt Stoffe, die wir weiterverwenden können.

  • Was ist Monoverbrennung?

    Wie der Name schon sagt: Mono heißt einzeln, es wird also nur ein einzelner Stoff verbrannt, nämlich Klärschlamm. Dazu muss er vorgetrocknet werden. Nass brennt bekanntlich schlecht. Durch die Verbrennung entsteht zunächst Wärme, die bis zu 2500 Haushalte mit Energie versorgen kann. Gleichzeitig können aus dem Prozess 900 Tonnen Eisensalz, das zur Wasseraufbereitung benutzt wird und momentan noch zugekauft werden muss, gewonnen werden. Zusätzlich entsteht Gips und aus der Asche lässt sich bis zu 80 Prozent des vorhandenen Phosphors zurückgewinnen. Phosphor muss übrigens ab 2029 per Gesetz rückgewonnen werden. Dadurch könnte Straubing frühzeitig eine Vorreiterrolle einnehmen und den guten Ruf der SER weiter stärken. Mit der bloßen Verbrennung des Klärschlamms ist der Prozess also nicht abge-schlossen. Die SER denkt hier weiter und handelt verantwortungsvoll auch im Sinne der Umwelt, also nachhaltig für uns alle. Wir produzieren den Klärschlamm, die SER kümmert sich um die Entsorgung und Weiterverarbeitung.

  • Warum eine große Anlage und keine kleine?

    Diese Frage lässt sich ganz einfach beantworten. Eine kleine Anlage für eine Kapazität bis 10.000 Tonnen ist wirtschaftlich unrentabel und wenig umwelt-verträglich. Erst ab 30.000 Tonnen schreibt solch eine Anlage schwarze Zahlen. Aber auch hier geht die Ausschickung von Abgasen bis an die 100 Prozent der zulässigen Grenzwerte. Eine große Anlage bietet hier ganz andere Möglichkeiten, wie uns Dr. Jürgen Pettrak, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der SER bestätigt hat: Die Emissionen bewegen sich in einem Bereich von nur drei Prozent. Ein Ausstoß, der nicht spürbar ist und somit unter die Irrelevanzgrenze fällt.

  • Ist die Anlage ausgelastet und damit rentabel?

    Ein klares Ja. Die SER arbeitet mit der Bayernwerk Natur, einer EON-Tochter zusammen, die die Lieferung von 110.000 Tonnen Klärschlamm jährlich garantiert. Zusammen mit unserem Straubinger Klärschlamm ist die Anlage zu 100 Prozent ausgelastet.

  • Können wir uns eine solche Anlage leisten?

    Die Kosten werden sich auf etwa 55 Millionen Euro belaufen. Die Bayernwerk Natur übernimmt 50 Millionen, bleiben also 5 Millionen bei der SER. Trotzdem hält die SER 51 Prozent der Anteile und hat damit das Sagen, muss Entscheidungen nicht anderen überlassen.

  • Reicht der Platz in der Kläranlage für Erweiterungen aus?

    Auch hier ist vorgesorgt. Das Grundstück ist groß genug. Die Monoverbrennungsanlage wird nach derzeitigem Planungsstand eine Grundfläche von etwa 40 mal 60 Metern haben. Die Höhe des Gebäudes wird 30 Meter betragen, der Kamin 38 Meter. Erweiterungen, z. B. für ein weiteres Klärbecken sind trotzdem noch möglich und auch durchdacht.

  • Wird sich der Verkehr durch die Anlage vermehren?

    Momentan fahren 60 Lastwagen täglich in die Kläranlage, was 120 Bewegungen entspricht. Durch Klärschlammanlieferung würden 30 Lastwagen zusätzlich fahren. Insgesamt als 180 Bewegungen, was für ein Gewerbegebiet durchaus verkraftbar ist. Wir haben Straßen in Straubing mit 1500 Bewegungen in der Stunde!

Wir hoffen, dass wir Ihnen einen Überblick zu diesem doch sehr komplexen Thema geben und Ihre drängendsten Fragen beantworten konnten. Diskutieren Sie angeregt mit und dokumentieren Sie Ihre Entscheidung am 26. Mai bei der Wahl.

Bernd Vogel und Peter Euler
SPD-Stadträte
Mitglieder des Werksausschuss der SER